Home Business GfW-Vortrag über die Vernichtung syrischer Chemiewaffen

GfW-Vortrag über die Vernichtung syrischer Chemiewaffen

Bückeburg/Minden. Seitdem zu Beginn dieses Jahres bekannt geworden war, dass die Bundesrepublik einen Beitrag zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffen leisten wollte, ist die „Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten (GEKA) in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Hintergründe des Vernichtungsprojekts erhellte jetzt GEKA-Geschäftsführer Dr. Andreas Krüger unter dem Vortragsthema „Tödlicher Abfall aus Syrien – wohin damit?” vor der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) im Mindener Hotel Bad Minden.

Die GEKA entsorgt im niedersächsischen Munster seit 1997 Kampfmittel im Auftrag der Bundesregierung. Sie ist deutschlandweit das einzige Unternehmen, das chemische Munition entsorgen darf. Bei der dem Verteidigungsministerium, das für die fachgerechte Beseitigung der Kampfstoffe pro Jahr rund 18 Millionen Euro investiert, unterstellten Firma arbeiten 140 Spezialisten. „Sie sägen beispielsweise alte Bomben auf, sprengen in Spezialöfen chemische und konventionelle Munition und reinigen vergiftete Böden”, erläuterte Krüger. Die Bodenwaschanlage ist den Ausführungen des Experten zufolge weltweit einmalig. „Sie verwandelt verseuchten Untergrund in sauberen Sand oder Kies.” Bei den aus Syrien stammenden Lieferungen handelt es sich indes nicht um Kampfstoffe. „Das sind gefährliche Reststoffe von Chemiewaffen, aber keine Kampfmittel”, betonte der Chemiker. Die eigentliche Vernichtung der Chemiewaffen ging bereits auf dem im östlichen Mittelmeer ankernden US-amerikanischen Spezialschiff „Cape Ray” über die Bühne. Von dort wurden rund 370 Tonnen Hydrolysat über Bremen nach Munster transportiert.

In den Beständen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad befanden sich alles in allem rund 1350 Tonnen Chemikalien. Unter diesen waren auch 15.000 Liter Senfgas zu finden, aus dem das zur GEKA gelieferte Hydrolysat entstand. Diese Lösung ist nicht mehr giftig, sondern nur noch reizend und vergleichbar mit flüssigen Industrieabfällen. „Da deren Verbrennung in geschlossenen Systemen vonstattengeht”, unterstrich der Geschäftsführer, „werden bei diesen Vorgängen keinerlei gefährliche Substanzen freigesetzt.”

Für das Unternehmen gelten ohnehin strenge Sicherheitsvorschriften. Aus dem Kontrollraum werden Daten zu Emissionen online an die Gewerbeaufsicht übermittelt und jährlich einmal veröffentlicht. „Wir handeln transparent, jeder kann uns besuchen und alles in Augenschein nehmen”, ließ der Referent wissen. Im Anschluss an die Verbrennung bleiben rund zwei bis drei Tonnen deponierfähige Salze übrig, die in Fässer gefüllt und in einem Bergwerk eingelagert werden sollen. „Für unsere Mitarbeiter stellt der Auftrag Routinearbeit dar”, erklärte Krüger.

Die Planungen sehen vor, dass die Vernichtung des syrischen Chemiewaffenarsenals bis Ende 2014/Anfang 2015 abgeschlossen sein soll. „Insgesamt ein bisher sehr gut verlaufenes Projekt und wir hoffen, dass wir es auch gut zu Ende führen können”, fasste der GfW-Gast zusammen, der die Publikumsnachfrage nach weiterhin in Syrien vorhandenen chemischen Waffen verneinte. Das ergäbe für das Assad-Regime keinen Sinn. Allerdings: „Das Know-how um die Herstellung solcher Waffen bleibt vorhanden.”

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