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Kampf gegen die Bürokratie – Lesung im Alten Rathaus

Wolfhagen. Robert Sedlatzek-Müller ist krank. Der 37-jährige ehemalige Fallschirmjäger der Bundeswehr hat PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), die wohl häufigste Erkrankung von Soldaten nach Auslandseinsätzen, oft ausgelöst durch traumatische Erlebnisse.

Was die Krankheit bei Sedlatzek-Müller ausgelöst hat und welchen Kampf er rund um die Anerkennung seiner Ansprüche gegen die Bürokratie führte, schilderte er bei einer Lesung aus seinem Buch „Soldatenglück“ im Alten Rathaus.

Der Einladung des Bundeswehrverbandes, der Reservistenkameradschaft und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik waren 40 Besucher gefolgt. Moderiert wurde der Abend von HNA-Redakteur Nicolai Ulbrich, ebenfalls ehemaliger Fallschirmjäger und Teilnehmer an zwei Kosovo-Einsätzen der Bundeswehr. So entwickelte sich ein Gespräch auf Augenhöhe, jedoch ohne Pathos, sondern mit bewegender Offenheit des Autors.

Gleich im Prolog erfuhr das Publikum auf drastische Weise, welche Auswirkungen PTBS beim Autor hervorgerufen hatte. Die hässliche Seite des Krieges mit Explosionen, Leichen und viel Blut habe sein Leben dramatisch verändert, erzählte der ehemalige Hundeführer. In Afghanistan haben er und sein bester Freund eine Raketenexplosion schwerverletzt überlebt, vier Kameraden wurden dabei getötet.

Sedlatzek-Müller erinnerte sich noch genau an das Versprechen des damaligen Verteidigungsministers Scharping, als er mit den anderen Verwundeten nach Deutschland geflogen wurde: „Schnelle, unbürokratische Hilfe“.

Ihre Körper wurden zwar medizinisch versorgt, doch ihre Seelen waren ebenfalls verwundet. Der Autor erzählte dem gebannten Publikum, dass er schon im Krankenhaus die ersten Auswirkungen der PTBS, wie Schlaflosigkeit und Albträume, gemerkt hätte. Das ganze Ausmaß sei ihm erst viel später bewusst geworden, als sich seine gesamte Persönlichkeit veränderte: Exzessives Leben, Tinnitus, Alkoholprobleme und aggressives Verhalten haben ihn von Familie und Umfeld entfremdet. Erst ein Schlüsselerlebnis mit seinem Diensthund „Idor“ habe ihm die Augen geöffnet. Nun begann sein persönlicher Kampf gegen die Krankheit, die Bürokratie und die Ignoranz der Gesellschaft. Ein Kampf, der ihm lange Zeit aussichtslos erschien, ihn fast in den Selbstmord trieb.

Auch die Unterstützung seiner Frau bewahrte ihn schließlich davor. Auf die Frage von Ulbrich, welche Rolle das Buch dabei gespielt habe, sagte Sedlatzek-Müller: „Es hat mir geholfen zu überleben, das Geschehene aufzuarbeiten.“ Die einfache, klare Sprache des Buches, die Offenheit des Autors, sein Mut und Durchhaltevermögen beeindruckte das Publikum, das sich sichtlich erschüttert und betroffen zeigte.

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