• Mi, 04. Juli 2012
    Oldenburg
    Vortragsabend
    "Der vergessene Konflikt
    auf dem Balkan"
  • Fr, 25. Juni 2012
    Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel
    Vortragsabend
    "Erfahrungen aus dem Einsatz
    als Reservist in Afghanistan"
  • Di, 05. Juni 2012
    Celle
    Vortragsabend
    "Die sicherheitspol. Bedeutung
    des I. D/NL-Korps für Europa"
  • Do, 29. Mai 2012
    Delmenhorst
    Vortragsabend
    "Russland nach den Parlaments-
    und Präsidenten-Wahlen"
  • Do, 24. Mai 2012
    Bremervörde / Zeven
    Vortragsabend
    "Al Quaida 2009-2012 - Strategische
    Planung und militärische Taktiken"
  • Do, 10. Mai 2012
    Delmenhorst
    NWZ - Pressebericht
    "Streiter für faire Bedingungen"
    Oberst Kirsch in Delmenhorst
  • Do, 10. Mai 2012
    Delmenhorst
    Weser-Kurier - Pressebericht
    "Die Bundeswehr muss sich bewegen"
    Oberst Kirsch in Delmenhorst
  • Sa, 28. April 2012
    Wilhelmshaven
    Eigenbericht
    "Die Türkei und der Islam -
    ein Modell auch für Europa?"
  • Fr, 27. April 2012
    Celle
    Pressebericht
    "Mangel an politischen Dis- kussionen über Sicherheit"

Nachschau - Veranstaltung am 15.02.2012

 

 Vortragsabend

zum Thema

Ägypten nach Mubarak -

Perspektiven und Probleme des Übergangs

Referent:

Dr. Stephan Roll

Post - Doc - Stipendiat,

Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin

am Mittwoch, 15. Februar 2012, 19:30 Uhr

im EWE – Kundencenter

Marktstr. 20 (rückwärtiger Eingang), Bremervörde

*****

Pressebericht

vom 19.02.2012

„Der Geist der Freiheit“
Dr. Stephan Roll referierte über „Ägypten nach Mubarak“

Von Aranka Szabó

Bremervörde. Der Staat Ägypten spielt politisch wie religiös eine zentrale Rolle in den arabischen Staaten. Er galt bis zum Sturz von Staatspräsident Mubarak als Garant für Sicherheit in der Region. Die Meldungen der letzten Wochen aus dem Land klangen jedoch wenig vielversprechend im Hinblick auf eine friedliche Entwicklung.

Der Islamwissenschaftler Dr. Stephan Roll informierte über die „Perspektiven und Probleme des Übergangs“. Ihn hatte die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, Sektion Bremervörde- Zeven, unter der Leitung von Werner Hinrichs, ins EWE-Kundencenter eingeladen.

Ägypten „ist ein richtiger großer Brocken“, erklärte der Wissenschaftler an der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ in Berlin zu Beginn seines Vortrages. Als bevölkerungsreichstes Land der Region sei es aufgrund seiner Lage strategisch von großer Bedeutung. Der Suezkanal, wichtigster Schifffahrtstransportweg von Europa nach Asien, liegt direkt an Ägypten. Seit dem Camp-David-Abkommen stehe Ägypten für Stabilität in der Region und sei zudem ein wichtiger Verbündeter des Westens gewesen. Hinzu käme die „Ausstrahlung“, die das Land für andere islamische Staaten habe. Die Al-Azhar-Universität in Kairo gelte in der islamischen Welt als renommierteste islamische Schule. Ihre theologische Entwicklung beeinflusse die gesamte islamische Welt. Deshalb schauten alle arabischen Staaten auf den aktuellen Transformationsprozess. Ihr Erfolg habe Auswirkungen auf sie alle.

Die erfolgreiche tunesische Revolution und ein im Internet kursierendes Foto eines vom ägyptischen Staatssicherheitsdienst zu Tode geprügelten jungen Ägypter führte am 25. Januar 2011 dazu, „dass alle Dämme brachen“. Das „Aufbegehren der Jugend“, die zwischen 25 und 40 Jahre alt gewesen sei, habe, so Roll, seinen Anfang im sozialen Netzwerk Facebook genommen, wo sich innerhalb weniger Tage Tausende zu Gruppen zusammengeschlossen hatten. Weiter wäre wohl die „desaströse Wirtschaftslage“, die weit verbreitete Armut und die extrem hohe Arbeitslosigkeit der 25- bis 40-Jährigen Ursache für ein „hohes Frustrationspotential“ gewesen. Auch sei die politische Elite des Landes zerrüttet gewesen. Es zeigten sich schon bei den Parlamentswahlen im Jahr 2010 „Risse im Herrschaftssystem“. Ob der Aufstand eine Revolte oder Revolution gewesen ist, ließ Roll offen. Schnell habe das Militär, das sich weigerte auf Demonstranten zu schießen, die Macht übernommen, mit dem Ziel, ein neues politisches System aus dem bestehenden heraus entstehen zu lassen. Das neu gewählte Parlament soll eine Verfassungsänderung erarbeiten und entscheiden, „wie es weitergeht“.

„Ein bisschen Revolution“ zeigte sich, so Roll, durch die neuen politischen Mitspieler,
vorrangig die Muslimbrüder und Salafisten. Die Unter- und Oberkammer des neuen Parlaments ist nun gewählt, und im Mai soll ein neuer Präsident sein Amt übernehmen. Im März beginne hierfür die Aufstellung der Kandidaten. Man könne jedoch Zweifel daran haben, dass das Militär der Politik die weitere Entwicklung überlässt, meinte Roll, weil hohe Militärs durchaus eine gerichtliche Verfolgung unter einer Zivilregierung fürchten müssten und das Militär in Ägypten eine Wirtschaftsmacht sei, die zwischen zehn und 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erzeuge. „Den Geist der Freiheit zurück in die Flasche zu korken, ist schwer“, meinte jedoch auch der Wissenschaftler. So glaubt er, dass, wenn das hohe Militär altersbedingt ausscheide, sich spätestens eine Parteiendemokratie durchsetzen werde.

Welche Rolle die islamischen Gruppen im neuen Ägypten spielen werden, sei unklar. Roll gab an, dass die Bundesregierung und die sie beratene Stiftung „überhaupt nichts über sie wissen“. „Nicht einmal deren Telefonnummern“, sagte Roll. Im Mittelpunkt der islamischen Gruppen stände die Ashar. Die Muslimbrüder, die großen Zuspruch in der Bevölkerung haben, stünden für eine moderne Wirtschaft und eine zivile Regierung in einem islamischen Rahmen, während die Salafisten einen islamisch-fundamentalistischen Staat zum Ziel hätten. „Für uns ganz erstaunlich“ sei bei den ehemals apolitischen und heterogenen Salafisten der schnelle Aufbau einer homogenen Organisationsstruktur gewesen. Weiterer islamischer Akteur seien die Sufis, eine volkstümliche islamische Gruppierung. Zentrale Herausforderungen der neuen Regierung seien der Aufbau einer funktionierenden politischen Institution, ob Parlaments- oder Präsidialsystem, und der Umbau des Staatssicherheitsapparats mit mehr als 1 Million Mitarbeitern. Außerdem das Verhältnis zu Israel und der drohende Staatsbankrott Ende 2012.

 

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