Nachschau - Veranstaltung am 04.02.2011

Sektionseigener Bericht

zum Jahresessen am 04.02.2011

Frau Ulrike Merten zu Gast bei der Sektion Celle

  GfW-Präsidentin bezieht in ihrem Vortrag Stellung

zu aktuellen Aspekten der Sicherheitspolitik

Die Sektion Celle der „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V.“ bat am 4. Feb. ihre Mitglieder und Gäste zum traditionellen Jahresessen. 50 Teilnehmer folgten der Einladung in das Offizierheim der Celler Immelmann - Kaserne, unter ihnen Stadtrat Stephan Kassel als Vertreter der Stadt Celle und - als Hausherr Hermann Grube, Oberstleutnant und Standortältester in Celle sowie den im Oktober 2010 neu gewählten Landesvorsitzenden der GfW in Niedersachsen / Bremen, Oberstleutnant Werner Hinrichs, zugleich auch Sektionsleiter GfW Bremervörde / Zeven. Als weiterer Gast nahm auch der kürzlich neu gewählte Sektionsleiter aus dem Celle benachbarten Peine / Wolfenbüttel, Oberstleutnant d.R. Friedrich Deichmann an der Veranstaltung teil.

Oben und unten: Zwei Blicke In das Offizierheim der Celler Immelmann-Kaserne, auf die 50 Mitglieder und Gäste, die Teilnehmer am traditionellen Jahresessen der Celler GfW Sektion.

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Diesmal hatte die Celler Sektion die im April 2010 neu gewählte Präsidentin der GfW, Ulrike Merten, eingeladen, damit sie sich persönlich mit einem Vortrag (und anschließender Diskussion) in Celle vorstellen und "ihre" Celler GfW kennen lernen konnte.

Ulrike Merten beim Vortrag am 4. Feb. z u Gast bei der GfW Sektion Celle

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In ihrem 30-minütigem Vortrag sprach die GfW Präsidentin über die Zukunft der GfW. Durch die Besuche sehr vieler Sektionen in den letzten Monaten kommt Ulrike Merten zu dem Schluss, "dass es mir um die Zukunft der GfW nicht bange ist." Zahlreiche der rund 100 GfW Sektionen verfügen über sehr engagierte, hoch motivierte - übrigens ausnahmslos ehrenamtlich tätige - Sektionsleiter. "Ich habe gesehen, dass es überall dort, wo es die aktiven Sektionsleiter gibt, die GfW nicht nur personell, sondern auch thematisch so breit aufgestellt ist, dass das weit über das hinausgeht, was vielleicht durch den Namen unserer Gesellschaft vordergründig suggeriert wird, dass wir uns ausschließlich nur mit Verteidigungs- und natürlich Sicherheitspolitik befassen", stellte die GfW Präsidentin wertend fest. Ihre Gedanken und teilweise auch Sorgen macht sich Ulrike Merten auch darüber, wie die GfW denn ihren Nachwuchs rekrutieren kann, der in den nächsten 10, 15 Jahren bereit ist, die Stafette zu übernehmen, sie weiterzuführen und in die Gesellschaft mit dem wichtigen Thema Sicherheitspolitik zu tragen. Die Aufgabe der GfW wird in Zukunft noch an Bedeutung zunehmen. Als Grund hierfür nannte Frau Merten die Tatsache, dass sich die Bundeswehr seit 1990 zum wiederholten Male aus der Fläche ein Stück zurückziehen wird, dadurch in Zukunft weniger sichtbar sein wird und damit auch das Thema Bundeswehr, Verteidigungspolitik und Sicherheitspolitik. Die wichtige Funktion der GfW ist es, diese bedeutenden Themen in die Gesellschaft hineinzutragen.

"Die Bundeswehr ist ins Gerede gekommen", führte Ulrike Merten provozierend weiter aus. Sie meinte aber damit nicht die Themen Gorch Fock, geöffnete Feldpostbriefe und dem unter ungeklärten Umständen in Afghanistan zu Tode gekommenen Soldaten. Stattdessen ging sie auf die in den vergangenen Monaten geführte Diskussion ein, die - vom Verteidigungsminister angestoßen - sich mit der Reorganisation der Bundeswehr auch auf Grund von Milliarden Euro im Bundeshaushalt zu erzielenden Einsparungen beschäftigt. Die Bundeswehr steht ein weiteres Mal vor einem epochalen Umbruch. Es gilt seit 1990, ein völlig neues Aufgabenspektrum abzudecken. Die Diskussion in den vergangenen Jahren wurde, so Frau Merten, aber in der Öffentlichkeit nicht mit der notwenigen Intensität geführt. Dazu verwies sie auf das Wort des damaligen Bundespräsidenten Köhler von dem "freundlichen Desinteresse" seitens der Bürger gegenüber der Bundeswehr. So wird der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr zwar im Parlament intensiv seit Jahren behandelt, hat aber nicht in der Breite der Gesellschaft dazu geführt, dass es in ihr diese notwendige Debatte in großem Umfange gegeben hätte.

Sektionsleiter Norbert Sprenger und Referentin Ulrike Merten während der Diskussion

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Nun gilt es, die guten Empfehlungen, die der Weise-Bericht zur Strukturveränderung der Bundeswehr enthält, aber bitte auch umzusetzen, so forderte Frau Merten. Wichtig wird in Zukunft auch sein, dass die Verlässlichkeit für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr erhalten bleibt. Vergangene Strukturreformen haben gezeigt, dass die beabsichtigten Einsparziele kaum erreichbar waren. Als ein Beispiel nannte sie dabei die vom damaligen Verteidigungsminister Scharping ab dem Jahr 2000 initiierten Reformen. Durch die GEBB, der Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbh (g. e. b. b.) soll das Verteidigungsministerium bei der Privatisierung von Servicefunktionen der Bundeswehr beraten werden und Milliarden Einsparungen erzielen. Dieses Ziel wurde weder auf der Zeitachse, noch vom Umfang her so wie geplant erreicht. Auch künftige erhebliche Streitkräftereduzierungen werden eine umfangreiche Anschubfinanzierung erfordern, die die beabsichtigten Einsparungen reduzieren werden. In der sich anschließenden 30-minütigen Diskussion wurden die Themenbereiche Reduzierung des Personalumfangs des Verteidigungsministeriums, die Wehrpflicht, die Ausbildung auf der Gorch Fock sowie eine  mögliche Namensänderung der GfW engagiert, deutlich und teils auch kontrovers diskutiert.

Nach Beendigung der Diskussionsrunde überreichte der Sektionsleiter der GfW Celle, Norbert Sprenger, der Referentin Ulrike Merten, Präsidentin der GfW, als Dank für ihren Vortrag und Beantwortung der Fragen Helmut Schmidts neueste Ausgabe seines Buches "Einmischungen"

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Am starken Applaus des Publikums konnte abgelesen werden, dass Frau  Merten bei den Mitgliedern und Gästen der Festveranstaltung ankam. Vielleicht spielte aber auch zusätzlich ein wenig Dankbarkeit mit, sich nun dem illustren Dreigangmenü widmen zu können und in Tischgesprächen mit seinen Nachbarn die Ausführungen Frau Mertens weiter zu vertiefen.

Text: Norbert Sprenger  Bilder: Michael Többens

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