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im
Soldatenheim „Haus
Adelheide“
Abernettistraße 43, Delmenhorst
(vor
Feldwebel-Lilienthal-Kaserne)
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Eigenbericht über
den Vortragsabend
Vom
Nahost-Konflikt zur Arabellion
Dr. Heinreich Heiter
referiert über Israel
und Naher Osten
134 Vortragsgäste, darunter
die frühren Oberstadtdirektoren Dr. Boese und Dr. Cromme, wie auch 58
Soldatinnen und Soldaten aus Adelheide bezeugen das große Interesse am
öffentlichen, sicherheitspolitischen Vortragsabend, zu dem der
Standortälteste der Bundeswehr und der Leiter der Delmenhorster
Sektion in der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) mit
dem dauerhaft aktuellen Thema „Israel und Naher Osten“ ins „Haus
Adelheide“ eingeladen hatten.
Referent war Dr. Heinrich
Heiter aus Helmstedt, ein langjährig in der Erwachsenenbildung tätiger
Politikwissenschaftler, der sich in vielen Jahren und mit häufigen
Reisen nach Israel, wie in arabische Staaten ein reichhaltiges Wissen
zum
Thema angeeignet hat. Ende August 2011 hatte er bereits über die
geschichtliche Entwicklung des Nahost-Konflikts in Delmenhorst
vorgetragen.
Zunächst nahm er auf
wesentliche Aspekte des früheren Vortrag Bezugs, um es damit den
Anwesenden zu ermöglichen, seine neuen Informationen sachgerecht
einzuordnen. Zum aktuellen Geschehen machte er dann einige
Zahlenangaben aus israelischen Erhebungen:
Von derzeit 7,6 Mio. Einwohnern gibt es in Israel 5,77 Mio. Juden. Die
anderen sind
mehrheitlich unterprivilegierte Araber/Palästinenser, deren
Familieneinkommen durchschnittlich nur 60 % des Einkommens jüdischer
Familien beträgt. Zusammen mit den annektierten Gebieten „Westbank“
und „Gaza“, leben in der israelischen Kontrollregion aktuell fast
annähernd so viele Araber/Palästinenser wie Juden; bereits in zwei
Jahren werden es mehr Araber sein. Deren bürgerliche
Gleichberechtigung könnte ein Ende für Israel als „Judenstaat“
bedeuten.
Dr. Heiter verdeutlichte die
unterschiedlichen Interessen und Ansprüche, sowohl auf der
israelischen (jüdischen), als auch auf der palästinensischen
(arabischen) Seite. Auf beiden Seiten behindern „Hardliner“ von
gewichtiger Bedeutung einen möglichen Friedensprozess. Bei den
Israelis sind es sowohl „ultraorthodoxe Juden“, die mit 10 bis 12
Kindern pro Familie derzeit etwa 15 % der jüdischen Bevölkerung
betragen, als auch andere politisch national Orientierte. Sie
betrachten die biblischen Gebiete von Judäa und Samaria als
angestammtes „jüdisches Land“, in dem sie beliebig siedeln dürfen. Bei
den Palästinensern sind es die „Hamas“, welche sich außerhalb der
Befreiungsorganisation (PLO) befinden und den Staat Israel unter
keiner Bedingung anerkennen wollen. Friedensorientierte Realpolitiker
haben daher auf beiden Seiten entschiedene Gegner.
Die „westliche Welt“
unterstützt seit geraumer Zeit die „Zweistaatenlösung“, die eine
Trennung der Lebensräume ermöglichen soll, damit „Palästina“ als Staat
entstehen kann. Dafür ist die israelische Siedlungspolitik ein
Haupthindernis. Dr. Heiter wusste zu berichten, dass es zwischen dem
israelischen Regierungschef Netanjahu und Bundeskanzlerin Merkel zu
diesem Problem vor nicht langer Zeit einen heftigen Telefondisput
gegeben habe, worüber die deutschen Medien jedoch nicht berichtet
hätten. Dazu meinte er, dass Deutschland ungeachtet der grauenvollen,
industriellen Vernichtung von 6 Mio. Juden in Europa während der
Nazi-Zeit heute dennoch auch Israel gegenüber für unsere Werteordnung
eintreten dürfe, wie diese in den westlichen Bündnissen
gemeinschaftlich gelte.
Zur „Arabellion“ erwähnte Dr.
Heiter, dass die Muslimbrüder und die Salafisten aus bisher freien
Wahlen in Nordafrika mehrheitlich hervorgegangen sind. Inwieweit dies
einen Wandel zu religiös bestimmten Gesellschaftsordnungen bewirken
könne, sei noch nicht abzusehen; die jüngere Generation setze überall
auf freiheitliche und demokratische Verhältnisse nach westlichem
Vorbild.
Auf Ägypten näher eingehend,
verdeutlichte er die dortige Bedeutung des Militärs. Die aktuell
regierende Militärführung will sich bei einer neuen Verfassung als
oberster Verfassungshüter etablieren (ähnlich der Türkei in den 70-er
Jahren) und jeden Einfluss des Parlaments auf den Militärhaushalt
verhindern. Das Militär wäre für Israel zwar weiterhin ein Garant für
die Beibehaltung des Friedensvertrags von 1979 - aber den wollen die
Muslimbrüder nach derzeitigen Aussagen ebenfalls einhalten.
Saudi Arabien zeige keinerlei
Interesse an der Umwälzung in der arabischen Welt und unterstütze
deshalb überall die fundamentalistischen Salafisten, welche überall
ein streng religiös gestaltetes Gesellschafts- und Ordnungssystem
anstrengten.
Nach seinem zweistündigen,
spannend vorgetragenen Referat blieb nur noch wenig Zeit für eine
Diskussion, an der nach der Fülle an Informationen auch kaum noch
Bedarf bestand. Für seinen abermals lebendigen und inhaltsreichen
Vortrag in Delmenhorst spendeten die Anwesenden dem Referenten einen
langen, kräftigen Applaus.
Kay Sachse

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