Nachschau - Veranstaltung am 29.04.2014

Referent:


Dr. Ralf Bambach

Politikwissenschaftler u. Philosoph, Hamburg

 Dienstag, 29. April 2014, 19.30 Uhr

Soldatenheim „Haus Adelheide“

(vor Feldwebel-Lilienthal-Kaserne)

 Abernettistraße 43, Delmenhorst

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Pressebericht

vom 03.05.2014

VON HELMUTH RIEWE

Der Politikwissenschaftler Dr. Ralf Bambach beim Vortrag im Haus Adelheide

DELMENHORST. Bei einem Vortrag in Delmenhorst hat der Hamburger Politikwissenschaftler Dr. Ralf Bambach die Türkei als regionale Ordnungsmacht eingestuft. Korruptionsvorwürfe sollten indes nicht zu hoch gehängt werden.

In einem knapp zweistündigen Kompaktseminar hat jetzt der Hamburger Politikwissenschaftler Dr. Ralf Bambach in Delmenhorst die Entwicklung der modernen Türkei nachgezeichnet. Auf Einladung des Delmenhorster Bundeswehr-Standortältesten Christoph Schladt sowie der Gesellschaft für Sicherheitspolitik kennzeichnete er in der „Oase Haus Adelheide" das Land als „regionale Ordnungsmacht". Deutschland würde von einem EU-Beitritt der Türkei profitieren, legte sich der Referent vor 90 Zuhörern fest. Mit Blick auf die aktuelle politische Entwicklung der Türkei hob Ralf Bambach das politische Talent des Ministerpräsidenten Erdogan hervor, dem es mit seiner konservativen AKP gelungen sei, einen stabilen wirtschaftlichen Aufschwung zu etablieren. Weltweit sei das Nato-Mitglied Türkei zudem diplomatisch bestens vernetzt; die Versuche des Landes, sich die Stellung einer regionalen Ordnungsmacht zu erarbeiten, passe in das strategische Kalkül der USA. Für die anstehenden Präsidentschaftswahlen wagte Ralf Bambach die Prognose, dass Erdogan einen klaren Sieg erringen werde, sollte er antreten. In der Opposition sehe er niemanden, der dem AKP-Chef das Wasser reichen könne. Zudem mahnte er an, Vorwürfe über Korruption und autoritäres Verhalten nicht zu hoch zu hängen. Aus Sicht der Bevölkerung seien praktisch alle Politiker korrupt. „Erdogan hat aber auch für uns etwas getan", laute die Einschätzung vieler Türken. Zuvor hatte Christoph Schladt die Leistung von Kemal Atatürk gewürdigt, dem es gelungen sei, nach der militärischen Niederlage des Osmanischen Reichs im 1. Weltkrieg seinem Volk den Verzicht auf ein Großreich schmackhaft zu machen. Mit viel Charisma habe Atatürk eine „kemalistische Kulturrevolution" entfacht, die als gelungen bezeichnet werden könne. In einem Feuerwerk der Informationen listete Ralf Bambach alle politischen und kulturellen Veränderungen auf, die der Türkei inzwischen ihr Gepräge gegeben haben. Neben der Einführung der Republik verwies der Referent unter anderem auf die frühe Einführung eines Frauenwahlrechts, das Verbot der Polygamie und die Etablierung von Familiennamen. Im Zentrum der staatlichen Neuordnung habe die Verankerung eines neuen Nationalismus gestanden. „Sei stolz, ein Türke zu sein", habe die Parole gelautet. Bei den Minderheiten, vor allem den Kurden, habe dies zu Widerstand geführt. Auch die Kontrolle der muslimischen Religionsausübung durch den als „laizistisch" definierten Staat habe zu Konflikten geführt.

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