Rückblick 2013

 

 

Rückblick auf Jahresprogramm 2013 des GfW-Landesbereichs Niedersachsen und Bremen

Von Aranka Szabó und Werner Hinrichs

Im Landesbereich II  der GfW, die demnächst GSP (Gesellschaft für Sicherheitspolitik) heißen wird, sind im vergangenen Jahr 74 Veranstaltungen durchgeführt worden. Der Schwerpunkt lag dabei auf Vorträgen, Informationsbesuchen und -reisen zu sicherheitspolitischen Themen und Fragestellungen.

Die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Öffentlichkeit über aktuelle Themen der Sicherheitspolitik zu informieren. Das breite Spektrum, das dabei geboten wurde zeigt, wie vielschichtig das Thema Sicherheitspolitik ist.

Im Dezember 2010 begann der sogenannte Arabische Frühling nacheinander in mehreren arabischen Staaten. Dr. Kinan Jaeger, Nahostexperte der Universität Bonn, erklärte im vergangenen März auf einer GfW-Veranstaltung über die Ursachen, Wirkungen und Perspektiven. Diese Rebellion hängt wesentlich mit dem seit Jahrzehnten dauernden Nahost-Konflikt zwischen Israel und Palästina zusammen, so dass im gesamten Landebereich auch das thematisiert wurde. Über Hintergründe und Entwicklung zu dem Thema „Israel und Naher Osten“ referierte im Landesbereich auch Dr. Heinrich Heiter, ehemaliger Leiter der politischen Bildungsstätte Helmstedt. „Staatsräson? - Wie Deutschland für Israels Sicherheit haftet“ lautete das Thema des Journalisten Werner Sonne in Lüneburg.

Islamwissenschaftler Dr. Guido Steinberg (SWP) referierte über Salafisten in Deutschland

Wie wir heute, nicht nur am Beispiel Syrien, wissen, haben sich radikal-islamische Gruppen die Aufstände für ihre Zwecke zunutze gemacht. Doch wer sind diese Kräfte eigentlich? In Deutschland machten Salafisten von sich reden. Die Frage, „Müssen wir uns Sorgen machen?“, beantwortete Dr. Guido Steinberg von der SWP-Stiftung, die auch die Bundesregierung berät, in Bremervörde mit einem „Nein“. Islamwissenschaftlerin Daniela Schlicht hinterfragte in Celle, ob Salafisten eine Gefährdung für unseren Rechtsstaat seien.

In diesem Kontext gehörten auch die Vorträge im Landesbereich von Prof. em. Peter Antes, ehemaliger Geschäftsführender Direktor der Abteilung Religionswissenschaft am Institut für Theologie und Religionswissenschaft in Hannover. Er ging der provokanten Frage nach: „Gehört der Islam zu Deutschland?“ Wie hingegen die Lage der Christen unter dem damaligen ägyptischen Staatspräsidenten und Muslimbruder Mohammed Mursi erging, erläuterte in der Elbe-Weser-Sektion in Bremervörde Prof. em. Fouad Ibrahim, früher Professor für Sozialgeographie an der Universität Bayreuth.

Dr. Hans Krech beim Vortrag im Delmenhorster Soldatenheim "Haus Adelheide"  - Foto: GfW

Wenn es um den radikalen Islamismus geht, darf Al-Qaida als deren führende Terrororganisation in der Diskussion nicht fehlen. In Delmenhorst klärte Dr. Hans Krech, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Forums für Internationale Sicherheit, über deren strategische Planung und militärische Taktiken auf.

Al-Qaida ist verantwortlich für 9/11, dem Anschlag auf das World-Trade-Center in New York 2001, in Folge dessen, die NATO und damit auch Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan einmarschierten. Kurz vor Ende des ISAF - Einsatzes nahm die GfW auch diese Thematik in ihr Programm auf. General-Major Carsten Jacobsen berichtete in Hannover und Major i. G. Christoph Kahnert in der Sektion Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel über ihre Erfahrungen in Afghanistan.

 

Major i. G. Kahnert berichtete in der Sektion Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel über seine Erfahrungen in Afghanistan

Der Stabsgefreite d. R. Johannes Clair hat seine Erfahrungen am Hindukusch im eindrucksvollen Buch „Vier Tage im November“ zusammengefasst. In Hannover trug er daraus vor und stellte sich, wie alle Referenten, den Fragen der Zuhörer. Einsatzsoldaten leben unter der permanenten Bedrohung, Opfer eines Selbstmordanschlages zu werden. Da stellt sich die Frage, wer ist eigentlich der Gegner? Militärhistoriker Prof. em. Ortwin Buchbender gab in Oldenburg Einblicke „zur Psychopathologie von Selbstmordattentätern“.

Unter verschiedenen Gesichtspunkten wurde der nun nahende Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan betrachtet. Die „logistische Herausforderung für die Bundeswehr“ betrachtete Oberst i. G. Michael Sinn. Oberstarzt a. D. Reinhard Erös hinterfragte in Oldenburg und Delmenhorst, ob der Abzug „Ende oder Wende eines Albtraums“ sei. Über den Bundeswehr-Einsatz in Mali referierte in Hannover Oberleutnant Reinhard Starke.

Dr. Reinhard Erös spricht vor 200 Schülern des Alten Gymnasiums in Oldenburg

Deutsche Sicherheitspolitik ist immer im Kontext der EU und NATO zu sehen. Über „zukünftige sicherheitspolitische Herausforderungen für die Bundesrepublik Deutschland in NATO und EU“ informierte in Aurich der Hamburger Politologie und Philosoph Dr. Ralf Bambach. Er referierte auch in Bremervörde über „Die Türkei. Eine aufstrebende Regionalmacht – Sicherheitspolitik am Bosporus“. Generalleutnant a. D. Kersten Lahl, GfW-Vizepräsident widmete sich dem Thema „Deutsche und Europäische Interessen und die Konfliktpotentiale“. Die Themen der Münchener Sicherheitskonferenz erläuterte Bundestagsabgeordnete Henning Otte in Celle. Oberst i. G. Dr. W. Heinemann referierte in Lüneburg über die „NATO – Flexibles Bündnis auf dem Weg in die Zukunft“. „Auch in Zukunft gute Partner?“. Diese Frage beantwortete Politikwissenschaftler Peter Bauch, M. A., bezüglich der „Entwicklung der transatlantischen Beziehungen unter Barack Obama in Celle.

MdB Henning Otte berichtete in Celle über die Münchener Sicherheitskonferenz

Die Globalisierung und deren Herausforderung für eine Sicherheitsstrategie erläuterte Generalmajor a. D. Dr. Peter Budde in Oldenburg.

Einblicke in die aktuelle Situation der USA gab in Delmenhorst Wolfgang Stützer, Politikberater und Dozent in Dana Point (USA). „Obama die Zweite – die USA 5 Monate nach der neuen Präsidentschaft“. Politikwissenschaftler Prof. Dr. Sven Bernhard Gareis beschäftigte sich in Oldenburg und Delmenhorst mit der Frage „China und die Welt – Welche Ziele verfolgt die Volksrepublik?“ Noch einmal wurde China Thema auf einer GfW-Veranstaltung: „China auf dem Weg zur neuen Seemacht“. Fregattenkapitän Jürgen Voßberg gab in Wilhelmshaven Einblicke in eine neue Entwicklung. Der ehemalige Militärattaché in der Ukraine, Oberst a. D. Bernd Schulte gab in Diepholz Auskunft über „In der Nachbarschaft: die Ukraine – Stand und Aussichten“.

Tiefe Einblicke in Ukraine: Oberst a.D. und Militärattaché a.D. Bernd D. Schulte, sprach bei der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW). Rechts: GfW-Sektionsleiter Oberst d.R. Gerhard Friedrichs. © Foto: Jansen

Sicherheit ist maßgeblich von der Ökonomie abhängig. Deswegen gehörte auch dieser Themenkomplex zu den GfW-Veranstaltungen. „Rohstoffsicherung zwischen Kommerz und Konflikt“ lautete der Titel von Dr. Ernst Joachim Martin, Geschäftsführer der Independent Global Assaying Services in Goslar. Sein Vortrag fand im Werner-Siemens-Gymnasium in Bad Harzburg statt. Über „Hintergründe und Auswirkungen der EURO-Krise“ referierte in Wilhelmshaven Simon Feyen von der Sparkasse Wilhelmshaven. „Banken-, Euro- und Staatshaushaltskrise – wer blickt da noch durch?“ - Diesem Thema widmete sich in Celle Burkhard Balz, Mitglied des Europäischen Parlaments.

Dem demographischen Wandel wurde ebenfalls Rechnung getragen. „Konsequenzen und Chancen für die äußere Sicherheit und Verteidigung“ erläuterte im Elbe-Weser-Bereich Oberst a. D. Roland Kaestner, Geschäftsführer des Instituts für strategische Zukunftsanalyse. „Ökonomie versus Sicherheit“ - das war das Thema von Katja Keul, Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Verteidigungsausschusses.

Der „Rolle des Auslandsnachrichtendienstes in der Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland“ ging Generalmajor Norbert Stier in Hannover nach.

Dieter Wilde (links), Sektionsleiter der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik Wilhelmshaven und Friesland, begrüßte im Gorch-Fock-Haus den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus.
WZ-FOTO: LÜBBE

Die Bundeswehr stellte sich auf verschiedenen Veranstaltungen in seiner Vielschichtigkeit vor. „Die Bundeswehr im weltweiten Einsatz – Schwerpunkte für den Wehrbeauftragten“. Hellmut Könighaus, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags informierte darüber in Wilhelmshaven. „Das Kommando Feldjäger der Bundeswehr“ stellte Oberst i. G. Michael Sinn in Diepholz vor. „Die Rolle des Logistikzentrums der Bundeswehr bei der Unterstützung des Einsatzes“ erklärte Brigadegeneral Diplom-Kaufmann Michael Vetter, Kommandeur des Logistikzentrums der Bundeswehr. Oberst Stephan Knobloch, Kommandeur des Luftwaffeninstandhaltungsregiments 2 in Diepholz, gab eine Bestandsaufnahme und Übersicht über „Die Luftwaffe und unser Verband“. „Das Marineunterstützungskommando – neue Aufgaben unter altem Namen“ war Thema von Flottillenadmiral Diplom-Ingenieur Werner Lüders in Wilhelmshaven, Kommandeur des Marineunterstützungskommandos. „Die Heeresfliegertruppe im Heer 2011 – Herausforderung und Chance“ thematisierte Brigadegeneral Alfons Mais, Kommandeur der Heeresfliegerwaffenschule und General der Heeresfliegertruppe. Leutnant Martin Richter erklärte in Lüneburg, was es mit der Kampftechnik „Krav-Maga-Survival“ auf sich hatte. Europäische Rüstungsvorhaben stellte Oberst a. D. Claus Köster, Militärischer Fachreferent der Eurocopter Deutschland GmbH  an den Beispielen NH 90 und Tiger vor.

Vortrag von Oberst Pfeifer über den Einsatzauftrag im Rahmen der ISAF-Mission   Foto: Gert Schulz

Über die „Organisation und Aufgaben eines Kreisverbindungskommandos“ informierte Oberleutnant d. R. Mike Renneberg, Leiter des Kreisverbindungskommandos der Stadt Braunschweig.  Der Vortrag „Reserve hat Ruh! - Brauchen wir noch Reservisten und wozu?“ mit Oberst Diplom-Betriebswirt Ulrich Tebbel, Kommandeur des Landeskommandos Hannover, berührte ebenfalls die Reservistenthematik.

Weitere Themen bei den Vorträgen waren: „Bildung in unserer Gesellschaft. Betrachtungen zu Schullandschaft“ von Oberstudiendirektor a. D. Dr. Rolf Schudnagis in Wilhelmshaven, „Lateinamerika und seine Integrationsprozesse“ in Wilhelmshaven von Rechtsanwalt Dr. Emilio Astuto, Dozent für internationale Politik und die Vorstellung des Films „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ in Goslar.

Auch lokale Themen wurden näher betrachtet. So in Celle, wo Polizeidirektor Eckart Pfeiffer über „die Lage der inneren Sicherheit in Celle Stadt und Land“ referierte. Kriminaloberrat Bernhard Bergmann berichtete in der Sektion Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel über das gleiche Thema in Bezug auf die Stadt und den Landkreis Peine. Die Ereignisse und Auswirkungen der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 waren der Inhalt des Vortrages von Oberstleutnant a. D. Hans Kolmsee in der GfW-Sektion Braunschweig/Peine Wolfenbüttel in Peine. Dort berichtete auch Oberstudienrat Peter Menke über die „Schweizer Garde des Vatikans – die kleinste Armee der Welt“ und Ewald Langstein, Geschäftsführer der THW-Geschäftsstelle Braunschweig, über „Struktur, Aufgaben und Organisation des Technischen Hilfswerks (THW)“. In der Sektion Elbe-Weser referierte Kinderrechtsexperte von Terre des Hommes über „Kindersoldaten. Täter oder Opfer?“

Bei der Marine in Wilhelmshaven

Verschiedene Informationsbesuche und -reisen rundeten die sicherheitspolitische Öffentlichkeitsarbeit im Landesbereich II ab. Eine 3-Tage-Fahrt der Sektion Celle führte nach Rostock, Warnemünde, Stralsund und Parow. Sie stand unter dem Motto „Deutsche Marine in Mecklenburg-Vorpommern“.  Auf dem 33. Tag der Niedersachsen in Goslar erfolgte durch die dortige Sektion ein Rundgang über die Technikmeile am Vienenburger See. Außerdem wurde die Feuertechnische Zentrale in Goslar besucht. Die Sektion Celle nahm am AeroSpaceDay in Faßberg teil. Einen Informationsbesuch stattete die Sektion Elbe – Weser beim Marinefliegerkommando und Luftschiffmuseum „Aeronauticum“ in Nordholz ab. Die Sektion Braunschweig/ Peine/Braunschweig  führte einen Informationsbesuch bei der Schule für Feldjäger- und Stabsdienst der Bundeswehr in Hannover mit großer Resonanz durch.

Die Reisegruppe der Sektion Elbe - Weser beim Marinefliegerkommando in Nordholz

Ein Strauß von sicherheitspolitischen Themen, die beeindruckend die vielfältige Arbeit der 14 Sektionen des Landesverbandes zeigen. Mit bescheidenden Mitteln aus der öffentlichen Hand gefördert, wurden durch unser ehrenamtliches Engagement im Landesbereich II fast 5.000 Personen über sicherheitspolitische Themen informiert. Die GfW verfolgt mit diesem Veranstaltungsangebot die übergeordnete satzungsgemäße Zielsetzung, Verständnis für die stete Notwendigkeit zu wecken, den Frieden in Freiheit und die Souveränität Deutschlands zu schützen und den Gefahren der inneren Schwächung des freiheitlichen Selbstbehauptungswillens entgegenzuwirken. Außerdem tritt die GfW  dafür ein, die innere Einheit Deutschlands zu festigen, die Integration in die Europäische Union zu fördern und zu vertiefen sowie den Gedanken der transatlantischen Partnerschaft lebendig zu erhalten. Im Zeitalter der Globalisierung kommt es der GfW zudem darauf an, in der Bevölkerung für einen angesichts neuer sicherheitspolitischer Risiken notwendigen umfassenden Ansatz einer vernetzten Sicherheitspolitik als aktuelles Leitprinzip der Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Bundesrepublik Deutschland Verständnis zu wecken.

In diesem Sinne wollen wir auch im Jahr 2014 dieses vielfältige Programm weiterhin aufrechterhalten. Dabei sind interessierte Zuhörer, die mit uns in einen Gesprächsdialog  eintreten, stets willkommen und ein Ansporn für unsere Arbeit.

 

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