Nachschau - Veranstaltung in Rotenburg/Wümme am 18.06.2014

 

 

Referent:

Dr. Christian Wipperfürth

Publizist zur russischen Außen- und Energiepolitik

am Mittwoch, 18. Juni 2014, 19.00 Uhr

im Casino Richthofen

(Unterkunftsbereich)

 Isumser Straße 20, 26409 Wittmund

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Eigenbericht des Landesbereichs II

Von Werner Hinrichs

vrnl.: Der Standortälteste und Kommandeur  der taktischen  Luftwaffengruppe „Richthofen“ OTL Timo Heimbach, der Kreisorganisationsleiter und Beauftragter SiPo des VdRBw Herr Hermann Minjets, Referent Dr. Christian Wipperfürth sowie der Landesbereichsleiter der GfW Niedersachsen / Bremen OTL a. D. Werner Hinrichs

Wittmund. Nach Aufgabe des Bundeswehrstandortes Aurich werden nunmehr die  GfW Vortragsveranstaltungen der Sektion Ostfriesland am Standort Wittmund fortgeführt. Der Standortälteste und Kommandeur  der taktischen  Luftwaffengruppe „Richthofen“ OTL Timo Heimbach, der Kreisorganisationsleiter und Beauftragter SiPo des VdRBw Herr Hermann Minjets, sowie der Landesbereichsleiter der GfW Niedersachsen / Bremen Herr OTL a. D. Werner Hinrichs konnten am 18. Juni zu einer  zweiten gemeinsamen sicherheitspolitischen Vortragsveranstaltung in diesem Jahr ca.120 Gäste im Richthofen Casino begrüßen. Sie waren so zahlreich gekommen, um den Publizisten zur russischen Außen- und Energiepolitik, Herrn Dr. Christian Wipperfürth, in seinem Referat „Die Ukraine – Spielball zwischen Russland und dem Westen“ zuzuhören und im Anschluss daran mit ihm zu diskutieren. Dr. Wipperfürth zeigte in seinen Ausführungen dabei ein sehr differenziertes Bild zur aktuellen Lage in der Ukraine auf, die auch teilweise abweichend zu den westlichen Medien sich darstellte.

Dr. Christian Wipperfürth bei seinem Vortrag in Wittmund

Herr Dr. Wipperfürth begann seinen Vortrag mit der Aussage, dass Russland in den vergangenen Jahren sich in den innerpolitischen Streitigkeiten, auch wenn die Regierungen um militärische Unterstützung baten, sich stets herausgehalten habe. Er ging dabei insbesondere auf die  Gemeinschaft  der Unabhängiger Staaten (GUS–Staaten) ein, die immer wieder, seit 1991, so z. B. Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan, erhebliche innerstaatliche Auseinandersetzungen mit ethnischen Minderheiten die tausende Tote zu Folge hatten. Er folgerte daraus, dass Russland in jüngster Zeit kein hegemoniales Machtstreben aufzeige. Die völkerrechtswidrige  Annektion der Krim erklärte er damit, dass zum einen die Politik Russland sich geändert habe und zum anderen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung Russen seien (annähernd 60%) und stets den Anschluss an Russland gesucht hätten. Diese Aussage belegte er auch mit Statistiken des renommierten Pew Research Center mit Sitz in Washington D.C.. Weiterhin sei es sehr undiplomatisch, so Dr. Wipperfürth, dass die EU ohne Einbeziehung Russlands ein Assoziierungsabkommen mit Georgien abschließen wolle. Durch ein solches Abkommen wäre der Einflussbereich der EU und der NATO erstmalig direkt an die russische Grenze verlegt worden.

Im Verlauf seines Vortrages ging er auf den Sprachenstreit in der Ukraine ein, der dieses Land zweiteilt. Insbesondere in den Gebieten Donezk, Lugansk und der Krim, wo eine Mehrheit der Bevölkerung russisch als ihre Muttersprache ansehe, fühlen sich die Bürger durch die jetzige Regierung benachteiligt.

Das Thema Ukraine stieß auf großes Interesse

Die Parteien konnten, so Dr. Wipperfürth, in der Vergangenheit durch den sogenannten Sprachenstreit von weiteren innenpolitischen Problemen sich distanzieren. Es müsse so nicht  über wirtschaftspolitische (Miss-)Erfolge, insbesondere in den Ostprovinzen, die Anhebung des Rentenalters, eine weitere Anhebung der Binnengaspreise zur Angleichung an die Importpreise, und die beabsichtigte Reform der Arbeitsgesetzgebung sowie über außenpolitische Misserfolge geredet werden.

In seinen Ausführungen ging er auch auf den über lange Jahre andauernden Streit über die Bezahlung der russischen Gaslieferungen ein. Dabei zeigte der Referent Verständnis für die Haltung Russlands nämlich erst dann wieder Gas zu liefern, wenn die Ukraine ihre Altschulden beglichen habe. Der ukrainische Versorger Naftogaz habe seine in den vergangenen Monaten aufgelaufenen Schulden von ca. 3,3 Milliarden Euro nicht beglichen und auch für die Juni-Lieferungen noch nicht gezahlt. Weiterhin gab es Streit wegen zu hoher Preise von aktuell 485,5 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas, die Gazprom von Naftogaz fordert. Beide hoffen nun, dass ihnen eine unabhängige Schiedsstelle in Stockholm Recht geben werde. Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger werde sich weiter um eine Einigung bemühen. Dies scheint aber auch aufgrund eines ´gespannten Verhältnis Russland mit der EU recht schwierig.

Dr. Wipperfürth endete seinen Vortrag mit den Worten „Der Konflikt in der Ukraine steht erst am Anfang“. Die sprachlichen, sozialen und wirtschaftlichen Konflikten, die im Wesentlichen in der Ostukraine vorzufinden sind, werden Europa über ein lange Zeit in Atem halten.  Der Konflikt lässt sich nur mit Russland lösen und dazu müssen die Europäer die Seele der Russen verstehen.“

Diese interessante Vortragsreihe der GfW in Wittmund wird am 17.09.2014 mit einem weiteren Referenten, Dr. Heinrich Heiter, der zum Thema   „Israel und der Nahe Osten“ - Erneutes Scheitern der Verhandlung über eine Zwei-Staaten-Lösung - Hintergründe und Entwicklung des israelischen – palästinensischen Konflikts referiert, fortgesetzt.

 

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