Nachschau - Veranstaltung in Wittmund am 23.04.2014

 

 

 

Referent:

Dr. A. Krohn

Fachbereich Sicherheitspolitik und Strategie,

Führungsakademie der Bundeswehr  

am Mittwoch, 23. April 2014, 19.00 Uhr

im Casino Richthofen

(Unterkunftsbereich)

 Isumser Straße 20, 26409 Wittmund

*****

Eigenbericht des Landesbereichs II

 

Von Werner Hinrichs

Dr. Axel Krohn,  Fachgebietsleiter für internationale Beziehungen und Sicherheitspolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr beim Vortrag in Wittmund

Nach Aufgabe des Bundeswehrstandortes Aurich und der Niederlegung der GfW Tätigkeiten durch die Sektionsführung in Aurich wurde nunmehr mit dem Standortältesten und Kommandeur  der taktischen  Luftwaffengruppe „Richthofen“, der Kreisgeschäftsstelle Ostfriesland des VdRBw und dem Landesbereichsleiter der GfW Niedersachsen / Bremen die sicherheitspolitischen Vortragsveranstaltungen in Wittmund fortgeführt. Bei der ersten gemeinsamen Veranstaltung referierte Dr. Axel Krohn,  Fachgebietsleiter für internationale Beziehungen und Sicherheitspolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr zum Thema „Krisenregion Sub-Sahara Afrika“.

Herr Dr. Krohn begann seinen Vortrag mit dem Statement, dass Afrika kein einheitlicher Kontinent sei. Hier gäbe es Krieg und Frieden, „failed states“ und Demokratien. Das deutsche Engagement in Afrika sei laut Krohn wertebasiert. Unsere Außen- und Sicherheitspolitik beruhe auf den Werten Demokratie, Menschenrechtsschutz und Rechtsstaatlichkeit, so der Referent. Laut Krohn verfolge die Bundeswehr drei wichtige Ziele in Afrika: Unterstützung der Friedens- und Sicherheitsarchitektur, Unterstützung der Polizeiarbeit und Bekämpfung der Konfliktursachen. Dabei engagiere sich Deutschland in Afrika nur multilateral, d.h. im internationalen Rahmen, und nimmt an folgenden internationalen Initiativen teil: UN-Missionen, G8, EU-Afrika Strategie, NATO. Bei der Teilnahme an multilateralen Initiativen in Afrika stünden zwei Ziele im Vordergrund: die Entwicklung afrikanischer Fähigkeiten zur Konfliktbewältigung und -vorbeugung (African Peace and Security Architecture) und die Stärkung von Subregionalorganisationen. Einen weiteren Schwerpunkt bilde die Unterstützung der Afrikanischen Union, die noch viele strukturelle und finanzielle Defizite aufweise.

Großes Publikumsinteresse

Zu den wichtigsten Instrumenten zur Verwirklichung der genannten Ziele so Dr. Krohn gehören die Militärdiplomatie (Arbeit von Verteidigungsattaches), Militärpolitik, Militärische Ausbildungshilfe, die Arbeit der Militärberater, Militärische Operationen und Missionen sowie die Ausstattungshilfe.

Die Situation auf dem schwarzen Kontinent beschreibt der Referent anhand einiger Zahlen. Afrika habe mittlerweile mehr Bewohner als China, sagte Krohn, 47 Prozent seien unter 15 Jahre alt, circa 30 Millionen Menschen seien mit AIDS infiziert. Gerade die arbeitsfähige Generation wäre davon betroffen. 40 Prozent des privaten Kapitals werde ins Ausland transferiert.

Theoretisch sei Afrika mit seinen enormen Rohstoffen reich, aber dort gäbe es eben auch Kriege. Dr. Krohn stellte dar, wie der illegale Handel bis zum Käufer in der westlichen Welt vonstatten gehe. Die Folge seien Terrororganisationen und Warlords, die sich etabliert hätten. „Gut und Schlecht liegen dort nahe beieinander und sind manchmal schwer zu trennen“, fasste Krohn zusammen. Die künstliche Schaffung von Staatsgrenzen durch die Kolonialmächte, in einer durch Clans geprägten Landschaft verstärkten die Konflikte. Es gäbe viele „failed states“-Gesellschaften ohne Staat. Prozesse der Staatenbildung und Demokratisierung gestalteten sich schwierig. Der Krieg sei zur Lebensform geworden: „Der Krieg ernährt den Krieg.“ Mittel der modernen Kampfführung seien Massenvergewaltigungen und Genozide. Sie werden im Wesentlichen finanziert durch Drogenschmuggel und Menschenhandel.

Im weiteren seines Vortrages ging er auf die Problematik der Sub – Sahara Zone ein. Insbesondere ging er auf die kriegerische Auseinandersetzungen in Mali, die nur durch den beherzten Eingriff der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich vordergründig befriedigt werden konnte. Des Weiteren ging er auf die massiven Probleme der nigerianischen Regierung mit der Terrororganisation Boko Haram ein, die vor kurzem durch die Entführung von 230 Schulkinder in den Fokus der Weltöffentlichkeit geriet. Er informierte die Zuhörern über die politischen und zum große Teil auch kriminellen Machenschaften bestimmter pseydopolitischer Organisationen, seien es Clans, Warlords, marodierende Gruppierungen in Süd-Sudan, Kongo, Ruander und Uganda, die das Leid der betroffenen Bevölkerungsgruppen in unermessliche steigen lassen.

Veranstalter und Referent freuten sich über eine gelungene Veranstaltung (vlnr. Timo Heimbach, Standortältester Wittmund und Kommandeur TaktLwGrp "R", Hermann Minjets, Kreisorganisationsleiter VdRBw, Kreisgruppe Ostfriesland, Referent Dr. Axel Krohn, Werner Hinrichs, GfW-Landesvorsitzender Niedersachsen und Bremen)

Zum Schluss seiner Ausführungen zeigte er trotz aller negativen Begleitumstände für Somalia ein positives Bild der Entwicklung auf, die im Wesentlichen durch die Soldaten der afrikanischen Union und der internationalen Hilfe erreicht wurde.

Dr. Krohn endete seinen Vortrag mit den Worten „Afrika ist eine Idee, Afrika ist Krieg, Afrika ist Frieden“.

Diese interessante Vortragsreihe der GfW in Wittmund wird am 18.06. 2014 mit einem Referenten Dr. Christian Wipperfürth zum Thema   „Die Ukraine - Spielball zwischen Russland und dem Westen?" fortgesetzt.

 

Oben                                                                                                                                                                    Zurück

Unsere Partner: