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Periodischer Beitrag in der EUROPÄISCHEN SICHERHEIT 01/2011
Landesbereich II – Niedersachsen und Bremen
Nach sechsjähriger Tätigkeit
gab Oberst a.D. Hans Bösenberg die Ämter des Landesvorsitzenden
Niedersachsen-Bremen und des Sektionsleiters Bremen in jüngere Hände
ab.
Vorrangiges Ziel war es in
diesen Jahren, das volle thematische Spektrum der „erweiterten und
vernetzten Sicherheitspolitik“ in den Veranstaltungen im
Landesbereich abzudecken und dabei durch hochkarätige Referenten mit
einem differenzierten Background und durch kontroverse Themen neue
Interessentenkreise zu erschließen. So reichte die Palette der
Vortragenden allein in Bremen von den Botschaftern Nordkoreas, Chinas
und Indiens über renommierte Politikwissenschaftler wie Herfried
Münkler und Dieter Senghaas bis zu Praktikern des State-Building wie
dem Rechtsanwalt und Afghanistan-Experten Karim Popal. Es wurde
versucht, in der sicherheitspolitischen Öffentlichkeitsarbeit
wissenschaftliches Niveau mit geerdetem Normalbürgerverständnis zu
verbinden und immer wieder den großen Bogen von aktuellen Ereignissen
und Praxiserfahrungen zu Grundsatzfragen der globalen
Sicherheitsarchitektur zu schlagen und historische Einordnungen zu
ermöglichen.
Der Rückzug der Bundeswehr aus
der Fläche, der sich in den kommenden Jahren fortsetzen wird, wurde
nie als Begründung für die Einschränkung von GfW-Aktivitäten
akzeptiert, sondern vielmehr als Anreiz gewertet, kompensatorisch die
Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren. Konkrete Bemühungen richteten
sich daneben auf einen aussagekräftigen Internet-Auftritt des
Landesbereichs und auf eine Medienarbeit, die sich nicht in
Hofberichterstattung erschöpft, sondern inhaltliche Denkanstöße
vermittelt.
Die Landesbereichsbilanz der
Jahre 2004 bis 2010 fällt aus Sicht des bisherigen Landesvorsitzenden
gemischt aus. Drei Sektionen wurden aufgelöst, die angestrebte
Neugründung von Sektionen, insbesondere in Mittelstädten, gelang
trotz intensiver Bemühungen nicht. Qualitativ und quantitativ konnten
jedoch in vielen Sektionen merkbare Verbesserungen erzielt werden,
die sich in einigen „Leuchtturm“-Sektionen zu einem Qualitätssprung
verdichteten. Referenten- und Themenspektrum untermauern, dass die
GfW in ihrer Basisarbeit in Groß- und Universitätsstädten ebenso wie
in der Fläche ein attraktives Angebot bereit hält, das von keinem
Konkurrenten überboten wird.
Bösenberg sieht allerdings
durchaus noch Möglichkeiten für eine Optimierung der GfW-Arbeit. So
könnten eine Namensänderung der Gesellschaft, ein inhaltlich
aussagekräftigerer Internet-Auftritt und eine intensivierte
Berlin-Präsenz den Wirkungsgrad deutlich erhöhen.
In seiner Abschluss-Mail an
die Sektionsleiter bilanziert er:
„Wir haben gemeinsam für ein
überzeugendes Ziel gearbeitet, und ich meine, dass es uns gelungen
ist, in manchen Bereichen den Stellenwert der Sicherheitspolitik im
öffentlichen Diskurs zu festigen, Akzeptanz zu erhöhen,
Grundlagenkenntnisse zu vermitteln und Nachdenklichkeit zu wecken.
Die
GfW ist durch ihre Unabhängigkeit und dezentrale Struktur
prädestiniert, eine führende Rolle in der sicherheitspolitischen
Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland einzunehmen und das breite
Themenspektrum der erweiterten Sicherheitspolitik zukunftsorientiert
zu vermitteln. Die Neuorientierung der deutschen Sicherheitspolitik in
Verbindung mit dem Rückzug der Bundeswehr aus der Fläche öffnet ein
Chancenfenster für die innovative Umsetzung unserer Zielvorstellungen.
Wir sind gefordert. Nutzen Sie die Chancen offensiv!“
Seit Ende Oktober 2010 bin ich
neuer Landesvorsitzender und möchte die hervorragende Arbeit von Herrn
Oberst a. D. Bösenberg fortsetzen, bisweilen mit einer anderen
Gewichtung, begründet durch meine noch aktive Tätigkeit in der
Bundeswehr. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den sehr aktiven
Sektionen des Landesverbandes und bin gespannt auf die neuen
Herausforderungen, deren Bewältigung im Fokus meiner Tätigkeit liegen
werden.
Sektion Delmenhorst
Sektionsleiter:
Oberstleutnant d. R. Rolf Dieter Wienand
Die Sektion Delmenhorst, am
Standort der LogBrig 1, lädt traditionell zu ihren Veranstaltungen
gemeinsam mit dem Standortältesten ein, arbeitet eng mit dem Verband
der Reservisten der Bundeswehr zusammen und nutzt die Möglichkeiten
der parteinahen Stiftungen. Wenn möglich, wird mit der Nachbarsektion
Oldenburg kooperiert und wechselseitig mit Informationen zu
Referenten, Themen und Organisationsfragen im Landesbereich
unterstützt.
Das Einzugsgebiet der Sektion reicht
über die Stadt und die Nachbargemeinden hinaus ins weitere Umland,
ohne den benachbarten Sektionen Bremen und Oldenburg ins Gehege zu
kommen – im Gegenteil: die Sektion wirbt auch für deren
Veranstaltungen.
Politische Mandatsträger,
Personen in leitenden Funktionen und „treue Stammgäste“, die von der
Sektion persönlich eingeladen werden, und interessierte Menschen, die
über die Presseankündigungen und- berichte zu den Vorträgen kommen,
wie auch Soldaten/innen der Brigade bringen die durchschnittliche
Gästezahl auf 100. Erfreulich ist die regelmäßige Teilnahme von
Mandatsträgern bis hin zu den Bundestagsabgeordneten.
Mindestens 6 Vorträge pro Jahr sind die
interne Vorgabe und werden vom Publikum auch erwartet, damit GfW und
Sektion in der öffentlichen Wahrnehmung präsent und in Konkurrenz zu
weiteren Anbietern attraktiv bleiben.
Ausgehend vom Begriff der
„Vernetzten Sicherheit“ folgen die Themen aktuellen Geschehnissen und
deren Hintergrund, auch abseits des Militärischen. Sie werden, in
Abstimmung mit dem Standortältesten, von der Sektion nach Zeiten und
Referenten geplant und vorbereitet. Die Referenten kommen sowohl aus
Wirtschaft, Publizistik und Wissenschaft, als auch aus Bundeswehr
und NATO. Sie trugen im abgelaufenen Jahr vor zur
Energieversorgungssicherheit Europas, zum Unruheherd Kaukasus in
Vertiefung des ersten Themas, zur Entwicklung auf dem afrikanischen
Kontinent vor dem Hintergrund der neuen Ausrichtung deutscher
Entwicklungszusammenarbeit, der inneren Lage der USA und deren
Außenwirkung zur Halbzeit der ersten Amtperiode Präsident Obamas,
sowie zum Extremismus von Links und der „Entfremdung“ zwischen Politik
und „Volk“ in entscheidenden Fragen der Sicherheitspolitik.
Auch regionale Themen werden nicht
vergessen: der Oberbürgermeister der Stadt Delmenhorst erläuterte die
Vorsorge für Kriminalprävention auf kommunaler Ebene.
Traditionsgemäß schließt die
Sektion das Jahr beim gemeinsamen Grünkohlessen mit Gästen.
Im ersten Halbjahr 2011 wird
die neue NATO-Strategie und deren Auswirkungen auf Deutschland im
Fokus sein.

Interessierte Zuhörer im Lili-Marleen-Saal des
Soldatenheims „Haus Adelheide“ in Delmenhorst
Sektion Oldenburg
Sektionsleiter
Oberstleutnant a. D. Dipl.-Kfm. Ralph M. Schmuhl
Die Veranstaltungsreihe 2010 umfasste sieben Veranstaltungen zu
sicherheits- und außenpolitischen Themenstellungen, die im 1. Halbjahr
vom „Einsatz deutscher Polizeikräfte in Afghanistan“ über die „USA“
bis „Pakistan“ und „Afrika“ reichten.
Schwerpunkt des 2. Halbjahres war dann Lateinamerika, das
Hans-Hartwig Blomeier von der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin,
eröffnete.
"Lateinamerika wartet nicht auf uns!" so sein abschließendes Fazit der
Eröffnungsveranstaltung: „Quo vadis, Lateinamerika? Perspektiven für
Demokratie, Sicherheit und Wohlstand zwischen Feuerland und Rio
Grande“.
Sieben Thesen stellte Herr Blomeier zur Entwicklung
Lateinamerikas auf und folgerte:
1. Die Entwicklung
Lateinamerikas bleibe unterschiedlich, das Spannungsfeld zwischen
marktwirtschaftlich-demokratischen Prinzipien (u.a. vorherrschend in
Brasilien, Chile und Mexiko) und
staatsinterventionistisch-populistischen Modellen (z.B. Venezuela und
Kuba) bleibe bestehen.
2. Das
Auseinanderdriften in der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung
nehme zu.
3. Das internationale
Gewicht wirtschaftlich starker Länder wie den G20-Ländern Brasilien
und Mexiko werde weiter wachsen.
4. Die
wirtschaftliche Erholung von der Finanz- und Wirtschaftskrise sei in
marktwirtschaftlich orientierten Ländern Lateinamerikas zunächst sehr
schnell erfolgt. Jetzt sei dieser Prozess aber etwas langsamer. Das
Gespenst der Inflation scheine – von Ausnahmen wie Venezuela abgesehen
– heute gebannt.
5. Die demokratische
Stabilität Lateinamerikas hänge davon ab, inwieweit es gelinge, Armut
und Exklusion zurückzudrängen. Noch immer sei Lateinamerika die
Weltregion mit dem stärksten Auseinanderklaffen der Gegensätze von Arm
und Reich.
6. Lateinamerika
besitze ein großes Potential im Umwelt- und Energiesektor.
7. Die regionale
Integration werde auch mittelfristig kaum erstarken.
Im Rahmen seines Vortrages ging Blomeier auf eine Reihe weiterer
Entwicklungen ein: Die schwindende Rolle der USA als einstiger
Hegemon, die Konsequenzen der Anti-Drogen-Politik in Mexiko und der
von innen initiierte Abschied von brutalen Militärdiktaturen.
Problematisch seien vielerorts unverändert der Mangel an
Rechtsstaatlichkeit, Korruption und Gewaltkriminalität.
Die Entwicklung in Lateinamerika sei für Europa gleichzeitig
Herausforderung und Chance. Die Drogenkonflikte in Lateinamerika seien
nicht denkbar ohne die europäische "Nachfrage". Lob fand Blomeier für
das neue Lateinamerika-Konzept der Bundesregierung. Wenn Deutschland
die wirtschaftlichen und politischen Chancen nutzen wolle, die die
Kooperation mit Lateinamerika biete, dann müsse es dort mehr Präsenz
zeigen.
Ein weiterer Höhepunkt des 2. Halbjahres war der Vortrag
„Zankapfel Kuba – Herbst der Ära Fidel Castro: Karibische
Perspektiven“ von Volker Skierka, wobei der Referent, Journalist aus
Hamburg, sich als exzellenter Castro und Kuba-Kenner erwies.
Werner Hinrichs, Oberstleutnant Landesvorsitzender
Niedersachsen und Bremen
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