Sektionsleiter im Landesbereich II

 

 

Von Aranka Szabó

Norbert Sprenger mit Ehefrau Monika, Berlin, 2014   Foto: asz

Seit sieben Jahre leitet Norbert Sprenger die GfW-Sektion Celle. Auf der Bundesversammlung der GfW in Berlin erzählte er über sich.

Norbert Sprenger bezeichnet sich selbst sich als positiven Menschen. Genauer als „positiver Idiot“, dessen großes Hobby die Sicherheitspolitik ist. „Ich bin ein politischer, aber kein parteipolitischer Mensch“, sagt Sprenger über sich selbst. Sicherheitspolitik sei etwas, was ihn fasziniere. Dabei habe er immer vor Augen, Menschen etwas zu erklären und ihnen aktive Gesprächspartner zu bieten, die in Verantwortung stehen und die aus ihrer Sicht sicherheitspolitische Aspekte anderen Menschen darlegen.

„Die GfW bietet eine tolle Möglichkeit dazu.“ Man könne sich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, jeden Referenten aussuchen, Leute einladen, die man interessant fände und mit denen man ein Gespräch führen wolle. Spaß macht es Sprenger dann, nach Vorträgen mit den Referenten Essen zu gehen und darüber noch mal ins Gespräch zu kommen, besonders auch mit streitbaren Menschen wie Winfried Nachtwei oder Personen, „die nicht so Mainstream sind“.  Sprenger weiter: „Mit am faszinierendsten war eigentlich Hellmuth Königshaus, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages. Drei Monate nach Aussetzung der Wehrpflicht sprach er am 4. Oktober 2011 im Celler Beckmann – Saal, der mit 160 Personen sehr gut gefüllt war. Königshaus hielt sich nicht an sein Manuskript. Er hatte wohl intuitiv ein Gespür für die Erwartungshaltung, für die Bedürfnisse des Publikums, vorwiegend im Lebensalter 50+. Vor allem die „potentiellen“ Mütter junger Soldaten fühlten sich durch Königshaus‘ Vortrag stark in seinen Bann gezogen. Es entspann sich die angeregteste Diskussion bereits während der Phase „Vortrag“, die ich in den 7 Jahren meiner Sektionsleitertätigkeit erlebt und wofür ich eine gewaltige Menge Freizeit sehr gern ehrenamtlich zur Verfügung gestellt habe. Das ist Lebensfreude. Das hat mir Spaß gemacht.“ Die Arbeit bei der GfW erfordere natürlich auch, junge Menschen, Schüler, Auszubildende anzusprechen, ohne jedoch einem Jugendlichkeitswahn zu verfallen.“ Ansprechen und aktivieren könne man in der Regel allerdings nur 50 Jährige und ältere, weil jüngere mit Beruf und Familie andere Lebensschwerpunkte hätten.

Stolz ist er auf einem Kooperationsvertrag mit dem Wirtschaftsgymnasium in Celle, wo er in Vorträgen die jüngste deutsche Geschichte thematisiert. Wenn dort jemand über seine Zeit als 18-Jähriger in einem DDR-Gefängnis erzähle, sei das „Geschichte zum Anfassen“. Sprenger: „Auch das ist unsere Aufgabe.“

Weil Sprenger Pilot werden wollte, ist er nach dem Abitur zur Bundeswehr gegangen. „Das habe ich dann auch gemacht.“ Der Hubschrauberpilotenausbildung folgte die Generalstabsdienstausbildung. „Ich bin nicht unzufrieden gewesen“, sagt er über diese Zeit. Mit 54, mittlerweile Oberst, ließ er sich frühzeitig pensionieren. Eine schwere Erkrankung machte ihm diese Entscheidung leichter. „Das hat mir persönliche Freiheiten gebracht“, resümiert er. Die Zeit danach nutzte er auch für ein Studium der Politik- und Religionswissenschaften.

Dabei „wäre ich eigentlich gerne Rockmusiker geworden“, erzählt er schmunzelnd. Seitdem er zwölf ist, spielt er Gitarre und hat in Schülerbands gespielt und später Kirchenmusik und in Bands gespielt. Das E-Gitarre spielen hat er sich selbst beigebracht und zu einer „gewissen Grundperfektion gebracht“. Auch heute noch greift er zur Gitarre, „wenn es mir gut geht“.  „Das kann einem viel geben.“

Mit dem, was er im Leben erreicht hat, ist er zufrieden. Vor acht Jahren sei er sterbenskrank gewesen. „Ich war praktisch aufgegeben“, erzählte er über die Zeit auf der Intensivstation. Da habe ihm geholfen, der ehemalige „Obersportmuckel“  - seriöser formuliert: der „Gruppenleiter besondere Ausbildungsbereiche“ der Abteilung 4 „Ausbildung“ des „Streitkräfteamtes der Bundeswehr“ - gewesen zu sein, um diese kritische Phase zu bewältigen. Zu seinen Aufgaben als Sportverantwortlicher gehörte das Reformieren der Sportprogramme, angepasst an die Anforderungen in der Truppe, und die Entwicklung von Sportprogrammen für die Verbände. Die Sportsoldaten waren ihm unterstellt. „Da war man gezwungen, sich selbst auch sportlich fit zu halten“ erklärte Sprenger.

„Ich bin total zufrieden“, sagt Sprenger über sich und erzählt, dass er nun wieder erkrankt sei – mit begrenzter Lebenserwartung: „Das ist eine harte Geschichte, besonders auch für das Umfeld, wie meiner Frau. „Sie trägt das mit“, sagt er. Und über sich selbst: „Wenn sie den Virus Hubschrauberfliegen in sich haben, mit tausenden von Flugstunden, auch viel Tiefflug gemacht haben, dann weiß man ...“ von seiner Endlichkeit, meinte er wohl. Als Motorradfahrer habe er sich auch schon „auf der Intensivstation wiedergefunden.“ – „Man muss es hinnehmen, dass in jedem Menschen vagabundierende Krebszellen sind.“ Die Zeit seit seiner letzten Erkrankung sieht der Musikfan als „Bonustrack.“ Als eine Zugabe, dessen er sich als „kritisch gläubiger Katholik“ und als ganzheitlich denkender Mensch immer bewusst gewesen sei. „Die Situation Tod gehört mit dazu“, erklärt er. „Ich hadere nicht mit meinem Schicksal“. Als „sarkastisch-ironischer Typ“ müsse man immer eine Überlebensstrategie haben. Sprenger erzählt in diesem Zusammenhang über seine berufliche Tätigkeit. Nicht zuletzt manche Formalismen und ausschließlich militärische Denkweisen, ohne Bedacht von politischen Grenzen, hätten zu einem gewissen Sarkasmus geführt. Seine Haltung: „Man muss sich immer in den Spiegel gucken können."

Lebenslauf Oberst a.D. Norbert Sprenger

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